Zu unserem Themenabend am 21. Januar im Saal des Fachwerkhauses in Zeutern durften wir viele Gäste willkommen heißen. Vor vollem Haus wurde zur Begrüßung die Frage gestellt „Superfood: was ist das eigentlich?“ Keine Proteinbooster für den Muskelaufbau und auch keine Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungssteigerung. Superfood – das ist regionales biologisch angebautes Obst und Gemüse. Das im Hintergrund aufgebaute Buffet war voll davon. Auch die Getränke – Apfelsaft und Cidre – waren Erzeugnisse von heimischen Streuobstwiesen.
Wir hatten vier Expert*innen zu dem Thema eingeladen und Angela Dänner moderierte die Vortrags- und Diskussionsrunde.
Andreas Telkemeier stellte sein Buch ‚Permakultur – in der Stadt‘ vor und las Auszüge daraus. Bei Permakultur geht es auch nicht nur um den Gemüseanbau ohne Chemie sondern auch um eine gemeinschaftliche Lebensphilosophie: Gemeinsam Gärtnern, Ideen teilen, aus ausrangierten Sachen wieder Neues gestalten, sich gegenseitig Dinge leihen, die man nicht so oft braucht. Sich gegenseitig unterstützen, zum Beispiel für den Nachbarn gießen, wenn der in Urlaub ist. Das Gärtnern soll Spaß machen, und nicht überfordern. Nahrung selbst anbauen macht glücklich. Dafür braucht man nicht unbedingt einen großen Garten, das geht auch auf dem Balkon und sogar auf der Fensterbank. Wenn eine Pflanze an einem bestimmten Platz nicht wachsen will, dann mal eine andere ausprobieren. Knollenziest zum Beispiel wächst auch in Hochbeeten mit Engerlingsbefall.
Für Martina Braun von der ‚Gemüsewichtel‘ GbR in Ubstadt ist ‚Permakultur‘ ein vertrauter Begriff, denn sie wenden diese Art des Anbaus täglich an. Sie berichtete über die Entstehung und die Entwicklung der Gemüsewichtel. Diese haben sich in kurzer Zeit nicht nur zu einem landwirtschaftlichen Betrieb sondern durch die Mithilfe interessierter und engagierter Menschen auch zu einem Begegnungsort entwickelt. Martina erläuterte, dass sie ganz viele verschiedene und auch alte Sorten anbauen, woher sie ihre Samen beziehen, welche Anfangsfehler gemacht wurden und dass man ständig Neues ausprobiert und dazu lernt. Regional und biologisch, schonend den Boden auflockern, um die enthaltenen Mikroorganismen zu bewahren. Ohne Chemiekeule, da werden Gefräßspuren zum Qualitätsmerkmal. Es heißt natürlich auch, dass die Jahreszeiten ein Stück weit das Ernährungsprogramm vorgeben. Wenn im Sommer z. B. die Tomatenschwemme über eine*n hereinbricht, gibt es viele Möglichkeiten des Haltbarmachens. Trocknen, Einkochen oder Fermentieren, all das wird ausprobiert. Und wenn gerade nur frischer Grünkohl da ist, den man aufgrund seiner Inhaltsstoffe auch als Superfood bezeichnen darf, kann man daraus auch einen Salat machen. Der schmeckt übrigen sehr lecker!
Nicole Heger, Landtagskandidaten von Bündnis 90/Die Grünen und Stadträtin in Waghäusel berichtete vom sogenannten „Essbaren Garten“, den sie in Waghäusel initiiert hat. Es war ein kleines, grasbewachsenes Gemeindegrundstück mit einem mittig stehenden Baum. Früher wurde es immer bis auf die Erde heruntergemäht. Auf Anfrage durfte sie mit Gleichgesinnten einen kleinen Garten daraus machen. Es wurden Obstbäume, Obststräucher, Gemüse und Erdbeeren gepflanzt. Man trifft sich zum Arbeiten, aber auch zum Ernten und Beisammensein dort. Sie berichtete, dass es in der Schulpolitik auch gute Ansätze gibt, so zum Beispiel Schulgärten oder Projektwochen zu Gemüseanbau, Kochkurse und zum Beispiel die Aktion ‚gesundes Frühstück‘, wo Schulklassen gemeinsam Gesundes zubereiten. Kindern die Aspekte gesunder Ernährung durch Anfassen und Ausprobieren noch besser zu vermitteln, dafür will sie sich einsetzen.
Dr. Angelika Waßmer, Gefäßchirurgin und Stadträtin von Bündnis 90/Die Grünen in Ubstadt-Weiher leitete über zum gesundheitlichen Aspekt mit der Aussage: Der Zustand der Gefäße eines Menschen sagt viel aus über seine Gesundheit. Sie zog den Vergleich zu einem Haus, in dem die Leitungen verkalkt und zugesetzt sein können. Bei konventionell oder gar industriell produziertem Gemüse spielt Chemie eine große Rolle. Glyphosat ist immer noch erlaubt und landet auf dem Teller. Das Gemüse muss schnell und pflegeleicht wachsen, schön aussehen und lange frisch bleiben. Da kommen viele Stoffe zum Einsatz, die nicht immer gesund sind. Im Winter muss es im Supermarkt alles geben, was oft frühe Ernte und weite Transportwege voraussetzt, wobei nicht nur der Geschmack leidet, sondern auch die gesunden Inhaltsstoffe reduziert vorkommen. Ein weiteres Problem für die Gesundheit sind die vorbehandelten Nahrungsmittel, also bereits fertige Suppen, vorgefertigte Speisen für die schnelle Küche mit Geschmacksverstärkern und Salz und Zucker im Übermaß. Am gesündesten sind immer noch die aus Grunderzeugnissen selbst zubereiteten Mahlzeiten.
Alle an der Diskussion Beteiligten waren sich einig, dass es nicht „die eine“ Superfoodpflanze gibt, die man empfehlen kann. Selbst angebaute Gojibeeren, Grünkohl, Palmkohl oder auch die ersten frischen Kräuter im Frühjahr kann man als Superfood bezeichnen. Jedoch kommt es bei allem, was geerntet wird, auch auf die Entstehung an: Heimisch, saisonal, ohne Kunstdünger und für den Geist: In Gemeinschaft angebaut und geerntet.
Es gab viele Fragen und Anregungen aus dem Publikum, so dass es sich zu einer großen Gesprächsrunde entwickelte. Nach Abschluss des offiziellen Teils blieben viele Gäste da, probierten das Buffet und genossen den Cidre bei angeregter Unterhaltung. Es war ein gelungener Abend und wir freuten uns, dass wir mit unserem Thema anscheinend genau in Schwarze getroffen haben: Interesse an Gesundheit und Gemeinschaft.